Freiheit auf Bewährung: Warum die Cannabis-Legalisierung ein Grund zum Feiern (und zum Kopfschütteln) ist

Egal, ob der entspannte Joint am Abend zum Runterfahren dient, der Vaporizer bei chronischen Schmerzen Linderung verschafft oder am Wochenende einfach in geselliger Runde die Seele baumeln soll – wir alle haben etwas gemeinsam: Wir schätzen eine Pflanze, die viel zu lange im Schatten stand.

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Rein theoretisch leben wir mittlerweile in einer neuen, grünen Ära. Die Kriminalisierung von Konsumenten wurde (weitgehend) beendet. Wir dürfen anbauen, wir dürfen besitzen, wir dürfen durchatmen. Doch wer sich die Details der aktuellen Rechtslage ansieht, merkt schnell: Der Weg aus der Prohibition ist dicht gepflastert mit schwerster deutscher Bürokratie.

Medizin, Entspannung und die neue Normalität

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Stigmatisierung bröckelt. Cannabis ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – nicht mehr als schmuddeliges Tabuthema, sondern als das, was es ist: Ein Genussmittel für die einen, eine essenzielle Medizin für die anderen. Gerade im medizinischen Bereich ist der Wegfall des Betäubungsmittel-Status ein Segen. Patienten, die jahrelang wie Schwerstkriminelle behandelt wurden, wenn sie ihr Rezept einlösen wollten, haben nun endlich leichteren Zugang zu ihrer Medizin.

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Die Forschung zeigt schon lange, was Konsumenten aus Erfahrung wissen: Der verantwortungsvolle Umgang mit Cannabis hat bei weitem nicht die apokalyptischen Folgen, die uns jahrzehntelang von konservativen Hardlinern prophezeit wurden. Es entspannt, es hilft beim Schlafen, es lindert Schmerzen – und ja, es macht schlichtweg auch einfach Spaß. Das darf man in einem Land, das das Oktoberfest als kulturelles Weltkulturerbe feiert, durchaus mal laut sagen.

Cannabis Social Clubs: Kiffen mit dem Finanzamt-Feeling

Doch wo Licht ist, da ist in Deutschland auch ein Formular in dreifacher Ausführung. Wer nicht selbst auf dem Balkon gärtnern möchte oder kann, dem bleiben die Cannabis Social Clubs (CSCs). Die Grundidee ist fantastisch: Gemeinschaftlicher, nicht-kommerzieller Anbau, saubere Qualität, kein Schwarzmarkt.

Die Umsetzung hingegen wirkt, als hätte man einen Haufen Finanzbeamter gebeten, ein Woodstock-Festival zu organisieren. Die Auflagen für diese Clubs sind so hoch, so absurd detailliert und mit derart vielen Dokumentationspflichten verbunden, dass man sich fragt, ob man hier Pflanzen züchtet oder hochwaffenfähiges Plutonium anreichert. Man hat uns zwar die Tür zur Legalität aufgemacht, aber den bürokratischen Türsteher gleich mitgeliefert, der erst einmal das polizeiliche Führungszeugnis des Kassenwarts sehen will, bevor jemand an einer Blüte schnuppern darf.

Der Straßenverkehr: Nüchtern fahren, trotzdem zittern

Die größte Ironie zeigt sich jedoch im Straßenverkehr. Die Anpassung des THC-Grenzwertes auf 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum war wissenschaftlich längst überfällig und ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack: Wer am Freitagabend entspannt konsumiert, kann am Montagmorgen völlig nüchtern und fahrtüchtig ins Auto steigen – und muss bei einer Kontrolle trotzdem schwitzen, weil die Abbauprodukte in unserem Körper eine andere Sprache sprechen als unser klarer Verstand.

Es bleibt das Gefühl, dass hier nicht die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht, sondern die Aufrechterhaltung eines Erziehungsauftrags durch die Hintertür. Man darf legal konsumieren, aber wehe, man muss am nächsten Tag zur Arbeit pendeln.

Fazit: Die Reise hat erst begonnen

Wir haben viel erreicht, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Wir können uns heute freier bewegen, freier konsumieren und freier atmen. Das ist ein Grund zum Feiern. Aber wir dürfen uns nicht auf diesem bürokratischen Kompromiss ausruhen. Wir müssen weiter Aufklärungsarbeit leisten, Vorurteile abbauen und der Politik immer wieder freundlich (aber bestimmt) den Spiegel vorhalten.

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Bis dahin: Genießt eure Blüten, bleibt verantwortungsvoll und lasst euch von den Formularen nicht den Vibe ruinieren.

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